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Flying the old lady

Auf dem Weg nach oben. Cockpit der Cessna 172

Unsere 'Old Lady', eine Cessna 172, war gut 30 Jahre alt und hatte auf allen drei Rädern fast keine Luft. Plattfuß sozusagen. Das letzte Mal, dass ich mit einer Cessna geflogen bin ist Jahre her und endete mit einer Notlandung wegen vereistem Vergaser in der venezolanischen Prärie. D.h. ich bin einigermaßen vorbelastet - obwohl ich weiß, dass diese einmotorigen Cessnas Arbeitspferde sind und sehr verlässlich. Wenn man sie wartet. Wir hatten einen Kompressor im Auto und pumpten die Reifen auf die nötige Barzahl auf.  Alex war gewissenhaft und putze mit einem Glasreiniger  das schon etwas blinde Cockpitfenster. Während er das Kerosin nach Wasserspuren überprüfte, rubbelte ich weiter wie verrückt die Fenster sauber. Als ob dies die Flugtüchtigkeit unseres Gefährt erhöhen würde. Es schien alles ok. Die Ruder ließen sich bewegen, der Propeller saß stramm und hatte weder Schrammen noch sonst irgendwelche Beeinträchtigungen.  Also quetschten wir uns hinter die Steuerknüppel. Als Alexander anfing, irgendwelche Späße über die 'old Lady' zu machen und in einer Art Handbuch herumblätterte, machte mich das schon wieder ein wenig stutzig.

Überflug bei 1500ft

Der Motor sprang 1a an, wenn auch gleich der Geräuschpegel auf über 100 Dezibel anstieg und die ganze Maschine wie verrückt vibrierte. Alex deutet auf die Mickymäuse und wir konnten uns wieder verständigen - allerdings sehr rudimentär, da in der Kommunikationsanlage ein Wackelkontakt war und jedes dritte Wort in ein krrrr endete. Wir hoben in einen wolkenlosen Himmel ab und unsere Lady schraubte uns nach oben. Meine anfänglichen Bedenken waren verschwunden. Wir hatten ziemliche Turbulenzen, was auf warme Winde zurückzuführen war, die vom Boden aus entstanden. Wir flogen eine scharfe Linkskurve, um in einer geeigneten Position  einen Überflug über das Gelände machen zu können. Ich öffnete mein Seitenfenster und der Lärm war trotz Kopfhörern immens, ebenso der Wind. Ich feuerte mit meiner Kamera nach außen. Immer wieder riss mir die Luftströmung das Objektiv nach hinten. Eigentlich wollte ich überhaupt keine Aufnahmen machen, da ich Bilder aus der Luft eher langweilig und beliebig finde. Aber der Ausblick auf die riesigen Flugzeughalden stimmte mich dann doch um und ich fotografierte wie ein Besessener drauf los. Alexander überflog auf 800 ft. die Landebahn  und legte die Maschine quer, damit ich einen besseren Winkel zum Fotografieren hatte. In Deutschland hätte uns die Flugaufsichtsbehörde wahrscheinlich für so eine Aktion schon längst zurückbefohlen. Hier kümmerte dies keinen Menschen.

Landeanflug

Wir drehten ab, überflogen die Interstate und hielten auf die entfernten Gebirgsketten zu. Jetzt, wo das Fenster wieder geschlossen war und wir konstant auf etwas über 2000 ft. flogen, war es wesentlich ruhiger. Alexander ließ mich fliegen. Er würde den Luftraum beobachten, denn es gäbe hier zu viele Verrückte, die ohne aeronautisches Wissen durch die Gegend fliegen. Ich hoffte, er meinte nicht uns. Also griff ich mir den Steuerknüppel und flog. Ich solle immer dieses und jenes Instrument im Blick haben, auf die Geschwindigkeit würde er achten. Es machte wirklich Spaß - ich flog eine lange Rechtskurve und kam mir prächtig vor. Man wächst an seinen Aufgaben, sagt man ja so schön, und so flog ich uns fast 20 Minuten durch den amerikanischen Luftraum und brachte uns wieder zum Airfield zurück. Ich hätte Talent, meinte Alexander - was wahrscheinlich auf die Einsätze  im Simulator  X-Plane 9 for Macintosh zurückzuführen ist, vor dem ich ab und an mit meinem Sohn sitze. Alexander setzt kurz hinter den ersten weißen Streifen auf der Landebahn auf. Gute Landung. Später erklärt er mir, dass er dieses Schrägfliegen über die Landebahn noch nie gemacht hatte und auch sonst noch nicht so viele Stunden in der Luft gewesen war. Dafür haben wir es aber beide, wie ich finde, nicht schlecht gemacht.