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Brad

Li'l Abner's Steakhouse

Brad kam mit der Maschine aus Los Angeles. Er simste mir seine Ankunftsdaten und wir verabredeten uns zum late Dinner in einem Steakhouse außerhalb der Stadt. Er wäre dort als Kind immer mit seinem Vater gewesen, dies ist allerdings schon Jahrzehnte her. Ich war zu früh. Brads Maschine hatte Verspätung und so setzte ich mich an die Bar und bestellte ein Miller Lite. Lil Abners's Steakhouse gefiel mir auf Anhieb. Außen standen einige Bänke im Sand - außerdem befand sich dort auch die Küche, die aus einer 2 qm großen Grillfläche bestand. Im inneren Teil fanden sich einige relativ karge Tische mit Stühlen, es war dunkel und die Wände waren komplett zugeschrieben. Kein freies Fleckchen mehr – alles war übersäht von Unterschriften, Lebensweisheiten, Songtexten, Weltschmerz, Liebeskummer. Auf einem Schild stand: 'rustic, rambunctious, out in the desert and casual' - man hätte es nicht besser beschreiben können.

Brad auf seinem Yard

Ich wusste nicht, wie Brad aussah und so nickte ich jedem männlichem Wesen, das durch die Türe kam, freundlich zu. Brad sah ganz anders aus, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Wir waren ungefähr im gleichen Alter, er trug Jeans und ein Hemd und war von der Sorte Mensch, die es einem eher leicht machten. Brad handelt mit altem Kriegsgerät. Besser gesagt, mit ausrangierten Flugzeugen von Flugzeugträgern. Die Spannbreite umfasst U-Boot Aufklärer bis hin zu F-15 Kampfjets. Das Business, wie er es nennt, hat er von seinem Vater übernommen, der sich langsam zurückziehen möchte. Seine Kundschaft sind Regierungsbehörden wie die brasilianische Navy oder auch die thailändische Luftwaffe. Die fliegen also noch die alten Tracker und Hawkeyes, die ihren Dienst auf Schiffen wie der USS Saratoga, und wie sie sonst alle heißen, geleistet haben. Am meisten Ärger hat er mit der F-14, erklärt er mir bei einem Budweiser, dem einstigen Überflieger der US Navy. Davon hatte die US Regierung nämlich 79 Stück an den Iran verscherbelt - das war allerdings noch vor der islamischen Revolution und nun sind diese Flieger genau in jenen Händen, in denen man sie überhaupt nicht sehen möchte. Trotz US Embargos, das auch die Lieferung von Ersatzteilen erschwert,  sollen die Mullahs noch über einer Reihe einsatzfähiger F-14 verfügen. Er habe alle Ersatzteile dieses Jets einschmelzen lassen, um gar nicht erst Zweifel aufkommen zu lassen und das FBI von seiner Firma fernzuhalten.

Überreste der S-2 Tracker

Wir hatten beide einen Bärenhunger und setzten uns an einen massiven Holztisch am hinteren Ende des Raums. Noch während wir uns auf den Stühlen zurechtrückten, bekamen wir einen großen Topf Bohnen in Soße in die Mitte des Tisches gestellt. Welche Steaks wir gerne hätten, fragte unsere Waitress. Ihre Empfehlung war T-Bone Steaks, dazu Rippen vom Rind und Schwein - 'you will love it', fügte sie noch hinzu und war schon nach draußen entschwunden. Was dann einige Zeit später auf unserem Tisch landete, war wohl das Beste an Fleisch, was ich je gegessen hatte. Das Fleisch wurde über speziellem Wüstenholz gegrillt, es schmeckte unfassbar gut – dazu die Bohnen. Auch Brad konnte es kaum fassen und so saßen wir beide vor unseren riesigen Tellern und alles war gut.

Brad wollte beim Fototermin tags darauf dabei sein und so erschien er am nächstem Morgen im Business-Outfit auf dem Scrapyard, der seine Maschinen beherbergte. In Reih und Glied standen sie säuberlich voneinander getrennt in der Hitze. Die Flügel der S-2 Tracker waren eingeklappt wie einst auf den Flugzeugträgern. Bei vielen der Maschinen fehlten die Fahrgestelle und so dienten Eisenbahnschwellen als Ablage. Ich machte einige Aufnahmen - aber es fehlten die Begeisterung und der Spirit, der mich sonst auf diesen Plätzen befiel. Zu sehr lastete die Funktionalität des Krieges auf diesen Maschinen. Ich beschloss, sie nicht in mein Projekt zu integrieren und ging lieber mit Brad in einen Diner zum lunchen.