Loading ...

Full Moon

Vollmond über der Wüste

Es war kurz nach 23 Uhr, als wir uns dem Schlagbaum der Wachposten näherten. Ich hatte mein Schild extra gut sichtbar an mein Hemd gepostet, um etwaigen Problemen mit gut bewaffneten Sicherheitskräften schon im Vorfeld aus dem Weg zu gehen. Es war Vollmond. Keine Wolke. Fahles herrliches Licht. Harte Schatten. Der Wachposten schoß uns seinen Lichtstrahl ins Gesicht und nachdem Dan seinen Mitarbeiterausweis gezeigt und einige Oberflächlichkeiten ausgetauscht hatte, konnten wir passieren. In zwei Meilen Entfernung glitzerten die Flugzeuge im Mondlicht. Ich hatte diese Nacht seit Monaten geplant - und gehofft, es möge keine Wolken oder Regen geben. Es gab nur Staub in der Luft - man konnte ihn sichtbar machen indem man gegen den Himmel blitzte. Dann war es als würde man Schnee fotografieren. Unglaublich.

Boeings im Mondschein

Wir nähern uns einer Herde Boeings, die in Reih und Glied im Wüstensand aufgereiht stehen. Ich steige aus und leuchte den Wüstenboden ab. Klapperschlangen jagen nachts und so komme ich Dans Rat gerne nach, stets den Boden abzuleuchten, um eine Begegnung zu vermeiden. Ich hatte mir tagsüber schon einige Stellen im Geiste markiert, an denen ich die Vollmondaufnahmen realisieren wollte. So fahren wir in den Bereich, in dem die Maschinen zerlegt und verschrottet werden. Es ist alles so unwirklich - die teilweise halb verschrotteten Flugzeuge wirken noch viel bizarrer als bei Tageslicht. Dazu kommt dieser harte Schatten, der jedes Flugzeugdetail auf den Wüstenboden nachzeichnet. Ich mache von jeder Einstellung Belichtungsreihen - 3 / 5 / 7 Minuten. Während des Belichtens fällt mir die Geräuschkulisse auf. Das Knarren eines losen Ruders, das leicht hin und her schwingt - Vögel, die durch mich aufgeschreckt aus den Flugzeugen flüchten - und dann das Heulen der Kojoten.

Boneyard

Erst war es mir nicht bewusst, aber Dan macht mich darauf aufmerksam und so höre ich die lang gestreckten Laute der Kojoten bei Vollmond. Wie im Film - es hätte besser nicht sein können. Ich verändere so oft ich kann meine Standpunkte - immer wieder leuchte ich den Boden nach Schlangen ab und versuche, in meiner Euphorie nicht den nötigen Respekt zu verlieren. Ich fotografiere fast die halbe Nacht. Als wir irgendwann wieder im Auto sitzen und aus dem Gelände fahren, merke ich erst die Anstrengung und Anspannung. Ich schlafe die letzten Stunden bis zum Morgen einen tiefen Schlaf.